Nebenkosten bei kleinen Wohnungen besonders hoch

Die Mieter der kleinsten Wohnungen in Deutschland zahlen doppelt drauf. Einerseits sind bei Kleinstwohnungen (unter 45 Quadratmeter) die Mieten pro Quadratmeter höher als bei großen Wohnungen. Laut Immowelt liegt der bundesweite Durchschnittsmietpreis für Wohnungen unter 40 Quadratmeter bei über neun Euro. Für Wohnungen mit einer Größe zwischen 40 und 80 Quadratmeter hingegen ist er etwa drei Euro geringer und liegt bei nur knapp sechs Euro. Und auch Mieter großer Wohnungen (80 bis 120 Quadratmeter) zahlen nur einen Euro Miete pro Quadratmeter mehr als Mieter von Kleinstwohnungen.

Die kleinsten Wohnungen zahlen die höchsten Nebenkosten

Und zusätzlich sind laut Daten der Mineko auch die jährlichen Nebenkosten auf den Quadratmeter gerechnet bei Kleinstwohnungen am höchsten. Sieht man sich die absoluten Nebenkosten gemessen an der Wohnungsgröße an, so steigt, wie man es erwarten würde, die Höhe der Nebenkosten mit der Größe der Wohnung. Kleine Wohnungen verursachen niedrige Nebenkosten, große Wohnungen verursachen hohe Nebenkosten. Auf die Quadratmeterzahl heruntergerechnet kehrt sich dieses Verhältnis jedoch um. Die Nebenkosten pro Quadratmeter steigen, je kleiner die Wohnung ist (siehe Grafik). Umgekehrt sinken die Nebenkosten pro Quadratmeter, je größer eine Wohnung ist.

Nebenkosten pro Quadratmeter

 

Der Mieter einer Wohnung, die über 120 Quadratmeter misst, zahlt in Deutschland im Schnitt jährlich 21 Euro Nebenkosten pro Quadratmeter. Hingegen zahlt der Mieter einer Wohnung mit einer Fläche von unter 45 Quadratmeter das Doppelte – rund 41 Euro pro Quadratmeter. Sogar innerhalb der Kategorie der Kleinstwohnungen bleibt dieses Verhältnis bestehen. Je kleiner die Wohnung desto höher die Nebenkosten pro Quadratmeter. Das heißt: die Mieter der allerkleinsten Wohnungen in Deutschland zahlen auf den Quadratmeter gerechnet die allerhöchsten Nebenkosten.

Geht man davon aus, dass in Kleinstwohnungen vor allem Singles leben, dann werden diese besonders belastet. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes lag 2014 die Belastung durch Wohnkosten für Haushalte von Alleinlebenden bei fast 40 Prozent des Haushaltseinkommens. Im bundesweiten Durchschnitt waren es 27 Prozent. Für armutsgefährdete Alleinlebende war sie noch höher: Sie gaben im Schnitt 60 Prozent ihres verfügbaren Haushaltseinkommens für die Wohnung aus. Auch von den Hartz-IV-Empfängern lebt der überwiegende Teil in kleinen Wohnungen. Nach Angaben der Agentur für Arbeit gibt es in Deutschland 1,8 Millionen Bedarfsgemeinschaften mit einer Person. Diesen Bedarfsgemeinschaften wird eine Wohnfläche von maximal 45 Quadratmetern zugewiesen. 55 Prozent der Hartz-IV-Empfänger leben also in kleinen Wohnungen.

Umlageschlüssel wirkt sich auf Höhe der Nebenkosten aus

Der Grund für diese Diskrepanz liegt in der Art der Abrechnung. Nebenkosten können nach verschiedenen Umlageschlüsseln auf die Mieter verteilt werden. Sie können entweder pro Person, pro Wohnung, pro Quadratmeter oder nach einer prozentualen Verteilung abgerechnet werden. Das gilt für alle Betriebskosten außer für die Heizkosten, deren Grundverbrauch ausschließlich nach Quadratmetern umgelegt wird. Der Grundverbrauch beträgt zwischen 30 und 50 Prozent der Heizkosten. Der Rest der Heizkosten wird nach Verbrauch berechnet. Hier würde die Wohnungsgröße also wieder zu Buche schlagen, da in größeren Wohnungen mehr geheizt werden muss als in kleinen.

Bei vielen anderen Betriebskosten kann sich der Vermieter jedoch aussuchen, ob er sie nach Wohneinheit, nach Quadratmetern, nach Personen oder nach Prozent umlegt. Und die Umlage nach Wohneinheit kann dafür sorgen, dass die Nebenkosten pro Quadratmeter bei kleinen Wohnungen steigen. Denn wird nach Wohnung abgerechnet, dann zahlen alle Wohnungen dasselbe. Egal, wie groß oder klein sie sind. Wie eine bestimmte Betriebskostenart umgelegt wird, ist aus der Nebenkostenabrechnung ersichtlich. Dort muss der Vermieter die Umlageschlüssel jeweils angeben. Andernfalls wäre nicht nachvollziehbar, wie sich die Nebenkosten für einen bestimmten Mieter berechnen.

Situation in Bundesländern ähnlich

Die Zahlen in den einzelnen Bundesländern zeichnen ein ähnliches Bild. In Berlin zahlen Mieter der kleinsten Wohnungen (unter 45 Quadratmeter) gut 40 Euro jährlich an Nebenkosten, Mieter mittlerer Wohnungen (60 bis 80 Quadratmeter) etwa 33 Euro und Mieter von Wohnungen über 120 Quadratmeter nur knapp 23 Euro pro Quadratmeter. In Bayern ist der Unterschied besonders deutlich. Hier zahlt der Mieter für die Nebenkosten einer Kleinstwohnung auf den Quadratmeter gerechnet knapp 58 Euro im Jahr, während es bei den Bewohnern von Wohnungen über 120 Quadratmetern nur knapp 22 Euro sind. Die geringsten Nebenkosten pro Quadratmeter zahlen Mieter von Kleinstwohnungen in Brandenburg. Sie zahlen im Schnitt 33 Euro pro Quadratmeter. Am höchsten sind die Nebenkosten in dieser Wohnungskategorie in Schleswig-Holstein. Hier zahlen Mieter besonders kleiner Wohnung stolze 66 Euro pro Quadratmeter.