Die Heizkostenverordnung

Jedes Jahr aufs Neue sind Sie sicher wie Millionen anderer Menschen auch gespannt auf Ihre Heizkostenabrechnung. Was viele nicht wissen: In der Heizkostenverordnung ist genau festgelegt, wie eine ordentliche Heizkostenabrechnung auszusehen hat. Die Abrechnung der Heizkosten und deren Aufstellung ist also genau geregelt, wovon Sie als Mieter profitieren. Lesen Sie, worauf Sie achten müssen und welche Rechte und Pflichten Sie als Mieter haben.

heizkostenverordnung

Inhalt:

Für wen gilt die Heizkostenverordnung?

Alle Gebäude, die über eine zentrale Heizungs- und Warmwasserversorgung verfügen, fallen in den Geltungsbereich der Verordnung über Heizkostenabrechnung. Hier wohnen in der Regel mehrere Mieter, so dass die Kosten entsprechend auf sie umgelegt werden müssen. Gleiches Prinzip gilt für alle Häuser, die mit Fernwärme versorgt werden. Der Vermieter ist also gesetzlich verpflichtet, Ihnen als Mieter eine Abrechnung der Kosten zu erstellen, die vom Verbrauch abhängig ist.

Zu diesem Zweck müssen alle Wohnungen mit einem Erfassungssystem ausgestattet sein. Häufig kommen die sogenannten Wärmemengenzähler zum Einsatz, doch auch Heizkostenverteiler sind möglich. An ihnen können Sie Ihren Verbrauch gut selbst ablesen und haben so die Kontrolle über Ihren Energieverbrauch. Erfolgt auch die Warmwasserversorgung zentral, sollten die Wohnungen entsprechend mit Warmwasserzählern ausgestattet sein. Sie messen genau, wie hoch Ihr Anteil an Warmwasser an den Wasserkosten des gesamten Hauses ist. Geeichte Wasserzähler messen den Wasserverbrauch in jeder Wohnung; die entsprechenden Kosten ergeben sich entsprechend aus der Rechnung des Wasserlieferanten. Gleiches gilt für Heizkostenverteiler, die direkt an den Heizkörpern installiert werden: Auch sie messen exakt Ihren Energieverbrauch.

Auch die genaue Berechnung der Kosten für Warmwasser ist in der Heizkostenverordnung geregelt. Der benötigte Energieverbrauch muss auf Heizung und Warmwasserversorgung aufgeteilt werden. Genaueres können Sie im Paragraphen 9 der Verordnung nachlesen. Lässt sich der Wärme- und der Wasserverbrauch im Wohnraum nicht messen, ist im Ausnahmefall folgende Formel anzuwenden:

Wärmeverbrauch für Warmwasser (in Kilowattstunden) = 32 x Wohnfläche (in Quadratmetern)

Durchschnittlich geht man von folgendem Wasserverbrauch aus:

  • 25 Liter pro Person und Tag in sparsamen Haushalten
  • etwa 35 Liter pro Person und Tag in typischen Haushalten
  • bis zu 50 Liter pro Tag und Person bei einem hohen Verbrauch

Geht man also von einem 3-Personen-Haushalt und einem Verbrauch von 35 Litern pro Tag und Person aus, ergibt sich ein jährlicher Wasserverbrauch von 38.325 Litern beziehungsweise 38,33 Kubikmetern im Jahr. Schon mit einfachen Mitteln können Sie die Kosten für warmes Wasser senken – etwa, wenn Sie die Warmwassertemperatur absenken. Seien Sie hier aber nicht zu sparsam, denn sonst riskieren Sie unter Umständen Bakterien und Legionellen in Ihrem Trinkwasser. Eine Alternative für einen niedrigen Wasserverbrauch kann ebenfalls eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung sein. Dank ihr wird das warme Wasser mit kostenloser Sonnenenergie erwärmt.

Welche Informationen muss eine ordentliche Heizkostenabrechnung enthalten?

Ihr Vermieter ist verpflichtet, Ihnen einmal im Jahr eine Kostenabrechnung zukommen zu lassen. Dabei muss es sich nicht zwingend um ein Kalenderjahr handeln. Geht die Rechnung verspätet ein, kann Ihr Vermieter eventuelle Nachforderungen jedoch nicht geltend machen. Anders sieht es aus, wenn Sie ein Guthaben haben: Ein solches steht Ihnen selbstverständlich auch dann zu, wenn der Vermieter Ihnen Ihre Abrechnung nicht fristgerecht vorlegt.

Die Verordnung schreibt ebenso vor, dass die Abrechnung gut verständlich und nachvollziehbar sein muss. Am besten kontrollieren Sie sie daher unverzüglich nach Erhalt. Zweifeln Sie die Zahlen an, haben Sie durchaus das Recht, vom Vermieter die Einsicht in die Rechnungen zu fordern. Gegen die Abrechnung können Sie ein Jahr lang Widerspruch einlegen. Weiterhin haben Sie das Recht, Ihre Heizungsrechnung pauschal um 15 Prozent zu kürzen, wenn sie keinen anteiligen Verbrauch enthält. Sie können sich auf Paragraph 12 der Heizkostenverordnung berufen.

Weiterhin enthält eine ordentliche Abrechnung alle relevanten Ablesewerte und auch die Kosten, die eventuell für eine Wartung anfallen. Die Kosten für die Reparatur der Heizung darf der Vermieter nicht auf den Mieter umlegen.

Hier noch einmal alles Wichtige, was zwingend in der Kostenabrechnung enthalten sein muss:

  • reeller Verbrauch
  • Höhe der geleisteten Vorauszahlung
  • Verteilschlüssel
  • Abrechnungszeitraum
  • Heiznebenkosten
  • Endsumme (Guthaben oder Zahlbetrag)

Welche Ausnahmen gibt es?

Alle vorgenannten gesetzlichen Vorschriften gelten grundsätzlich dann, wenn Sie in einem Mietshaus wohnen. Ein Sonderfall ist es, wenn Sie ein Zweifamilienhaus gemeinsam mit dem Besitzer bewohnen. In diesem Fall muss er sich nicht zwingend an die HKV halten, sondern kann entsprechende andere Klauseln in seinem Mietvertrag übernehmen.

Ebenfalls ist eine verbrauchsgerechte Abrechnung in folgenden Fällen nicht zwingend notwendig:

  • in Häusern mit einem geringen Energiebedarf, etwa einem Passivhaus
  • in Lehrlings- und Studentenheimen
  • Häuser, die zum größten Teil durch eine Solaranlage oder eine Wärmepumpe beheizt werden
  • wenn sich die Installation von Messeinheiten als sehr schwierig gestaltet

Häufige Fehler in der Abrechnung

Liefert Ihnen die zentrale Heizungsanlage sowohl Wärme als auch Warmwasser, müssen beide Positionen in der Abrechnung klar voneinander abgegrenzt sein. In der Praxis wird der Wasserverbrauch allerdings häufig nur geschätzt, was rechtlich ein strikter Fehler ist. Eine verbrauchsabhängige Abrechnung der Heizkosten wird ebenso vom Gesetzgeber vorgeschrieben.

Es genügt also nicht, die Kosten für das Heizen mit einem Pauschalbetrag mit den anderen Nebenkosten wie Grundsteuer oder Müll aufzulisten. Maximal 30 bis 50 Prozent der Kosten für die Heizung darf Ihr Vermieter nach einem festen Maßstab verteilen. Hier wird meist die Wohnfläche zugrunde gelegt. Mindestens 50 bis 70 Prozent aber müssen exakt nach Verbrauch abgerechnet werden, sprich: Sie zahlen nur so viel, wie Sie tatsächlich an Wasser und Wärme verbraucht haben. Auch als Mieter lohnt sich daher selbstverständlich ein sparsames Wirtschaften!

Prüfen Sie auf jeden Fall, ob die Daten auf der Abrechnung plausibel erscheinen. Verdächtig hohe Verbrauchszahlen fallen sicher sofort ins Auge, doch kleine Abweichungen kann der Laie kaum erkennen. Mittlerweile gibt es online kostenlose Heizrechner. Geben Sie hier einfach die Daten Ihrer Abrechnung ein; etwaige starke Abweichungen werden Ihnen dann vom System angezeigt. Von den jedes Jahr in Deutschland etwa 18 Millionen verschickten Heizkostenabrechnungen sind nur etwa ein Drittel mangelfrei. Die anderen zwei Drittel haben entweder noch Klärungsbedarf oder weisen von Vornherein grundlegende Fehler auf. Folgende Fehler schleichen sich dabei besonders häufig in die Abrechnung ein:

  • der Abrechnungszeitraum wird nicht korrekt angegeben
  • der Verteilerschlüssel wird nicht angegeben
  • der Verbrauch wird nur geschätzt
  • die Person, die die Abrechnung unterschrieben hat, ist nicht zur Ausstellung berechtigt
  • Kosten für leerstehende Wohnungen werden auf die Mieter umgelegt

Diese Punkte sollten Sie also unbedingt prüfen und sich gleichzeitig die Abrechnungen der Vorjahre vornehmen. Gibt es zu diesem starke Abweichungen, sollten Sie wachsam sein und alle Positionen genau unter die Lupe nehmen. Ihre Energiebezugskosten können Sie einfach selbst berechnen, indem Sie die Energiekosten durch die gelieferte Energiemenge teilen. Die durchschnittlichen Energiekosten in Deutschland gestalten sich in etwa wie folgt:

  • Erdgas: 5,9 Cent pro Kilowattstunde
  • Heizöl: 6,8 Cent pro Kilowattstunde
  • Fernwärme: 8,9 Cent pro Kilowattstunde
  • Wärmepumpe: 21,3 Cent pro Kilowattstunde

Diese Preise können regional natürlich stark differenzieren. Die meisten Vermieter erstellen Ihre Abrechnungen selbst. Es gibt aber auch einige, die sogenannte Messdienstleister wie Techem oder Ista mit der Erstellung der Heizkostenabrechnung beauftragen.

Was bestimmt die Höhe der Heizkostenabrechnung?

Wie hoch Ihre nächste Kostenrechnung ausfallen wird, ist nicht nur von Ihrem persönlichen Heizverhalten, dem Wetter und den Energiepreisen Ihres Anbieters abhängig. Maßgeblich wird diese auch bestimmt durch die Art der Heizversorgung. Unterschieden werden folgende vier Versorgungsarten:

  • Erdgas
  • Heizöl
  • Fernwärme
  • Wärmepumpe

Die Fernwärme gilt dabei als die teuerste Art der Energieversorgung, gefolgt von Heizöl und Erdgas. Zu hohe Energiekosten können aber auch dann entstehen, wenn Sie in einem alten Haus wohnen, das nicht ausreichend wärmegedämmt ist. Als Mieter im untersten oder im Dachgeschoss müssen Sie ebenfalls damit rechnen, dass Sie etwas mehr Energiekosten zahlen als die Mieter in den Zwischengeschossen.

Der durchschnittliche Gasverbrauch in deutschen Haushalten liegt bei 16 Kubikmetern. Dies entspricht 160 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Ältere Häuser verbrauchen natürlich ein wenig mehr als neue Häuser oder Passivhäuser. Den Gasverbrauch können Sie übrigens ganz leicht selbst berechnen, indem Sie den Gasverbrauch durch die Quadratmeterzahl Ihrer Wohnung teilen.

Wie können Sie Kosten sparen?

Da eine Senkung der Energiekosten in naher Zukunft wohl nicht eintreten wird, sollten Sie versuchen, Heizkosten zu sparen. Dazu gibt es zahlreiche Tipps und Tricks, die Sie gut anwenden können. Entscheidend ist zunächst einmal die richtige Heiztemperatur. Wohnzimmer und Badezimmer sind die beiden Räume, in denen man es im Winter gerne kuschelig warm hat. Als Richtwerte gelten hier 20 bis 22 Grad Celsius.

Das Schlafzimmer hingegen sollte deutlich kühler sein; hier genügen 15 Grad für ein angenehmes Raumklima. Als Faustregel können Sie sich merken: Jedes Grad weniger spart etwa sechs Prozent an Kosten. Stellen Sie also in Räumen, die Sie wenig oder gar nicht nutzen, das Thermostat nur auf Stufe Eins. Dies entspricht einer Temperatur von etwa zwölf Grad Celsius. Stellen Sie Ihr Thermostat am Heizkörper auf Stufe 2, erreichen Sie maximal 16 Grad Celsius im Raum; auf Stufe 3 sind es immerhin schon 20 Grad Celsius. Die Stufen 4 und 5 sollten Sie nur in den Räumen nutzen, in denen Sie sich permanent aufhalten. In der Praxis haben sich programmierbare Thermostate bewährt, die Sie genau auf Ihre Bedürfnisse einstellen können. Auf die Minute genau können Sie dann für jeden Raum individuell einstellen, wann die Heizung anspringen soll.

Natürlich sollen Sie nicht frieren und es bringt auch nichts, das Thermostat während Ihrer Abwesenheit auf Sternchen zu stellen. Die Heizkörper würden dann zu lange brauchen, ehe sie wieder aufgeheizt sind. Zudem steigt die Gefahr einer Schimmelbildung, wenn Wohnräume nicht richtig beheizt werden. Achten Sie darauf, in den Wintermonaten die Türen innerhalb der Wohnung geschlossen zu halten. So vermeiden Sie, dass die Wärme aus den beheizten Räumen in die unbeheizten Räume entweicht.

Ein weiterer Praxistipp, um Energiekosten zu sparen: Stellen Sie keine sperrigen Möbel vor Ihre Heizkörper, denn auch dadurch können die Heizkosten steigen. In regelmäßigen Abständen sollten Sie die Heizkörper entlüften. Wann es so weit ist, merken Sie spätestens dann, wenn sie anfangen zu gluckern. Ist zu viel Luft im Heizkörper, kann er sich nicht richtig aufheizen. Mit dem regelmäßigen Entlüften können Sie ebenfalls bis zu 15 Prozent Heizkosten einsparen. Achten Sie zudem auf ein richtiges Lüften: Regelmäßiges Lüften ist wichtig, damit sich kein Schimmel bilden kann. Am besten öffnen Sie zwei sich gegenüberliegende Fenster komplett, so dass Durchzug entsteht. Dieses sogenannte Stoßlüften ist deutlich effizienter als das Ankippen des Fensters. Das Dauerlüften durch angekippte Fenster in der kalten Jahreszeit bringt Ihnen zwar viel frische Luft, Ihre Heizkosten treibt es aber unnötig in die Höhe. Nicht zuletzt ist eine gute Fassadendämmung wichtig. Das ist natürlich nicht Ihre Sache, sondern die Ihres Vermieters. Eine gute Dämmung sorgt dafür, dass die Wärme im Haus bleibt und verhindert gleichzeitig eine Schimmelbildung. Das erreichen Sie auch, wenn Sie eine Innendämmung in Ihrer Wohnung anbringen. Dazu sollten Sie sich aber ebenfalls die Erlaubnis Ihres Vermieters holen. Gleiches gilt natürlich auch für Ihre Fensterdichtungen: Sind sie undicht, werden Ihre Energiekosten deutlich in die Höhe getrieben. Achten Sie weiterhin darauf, dass Ihr Vermieter regelmäßig eine Wartung der Heizungsanlage durchführen lässt. Ein Heizungsfachmann erkennt nicht nur Verschleißerscheinungen, sondern optimiert auch die Einstellungen an der Heizungsanlage. Auch so ist es möglich, bis zu fünf Prozent an Kosten zu sparen. Haben Sie mit Ihrem Vermieter schon einmal über den Austausch der Heizungspumpe gesprochen? Eine alte Pumpe verbraucht unnötig Energie. Mit einer effizienten und modernen Pumpe hingegen können Sie bis zu 130 Euro im Jahr einsparen.

Im Zweifelsfall die Heizkosten prüfen lassen!

Sind Sie sich nicht sicher, ob Ihre Heizkostenabrechnung korrekt ausgestellt wurde? Laden Sie diese einfach bei den Mietexperten von Mineko hoch und diese prüfen für Sie. In durchschnittlich 81% der Fälle finden sie Ersparnisse in Höhe von über 220 Euro! Jetzt hochladen.

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