Was Müllentsorgung in deutschen Städten kostet und wie die Gebühren auf Mieter umgelegt werden.

Die entstehenden Mehrkosten (z. B. durch häufigere Entleerungen) trägt in der Regel der Vermieter, da er für die Sicherung der Containerstandplätze verantwortlich ist. Er kann zwar versuchen, die Mehrkosten auf die Mieter umzulegen, wenn diese vertraglich vereinbart wurden, aber die Mieter können widersprechen, wenn die Situation durch mangelnde Absicherung der Containerstellplätze durch den Vermieter verursacht wurde.
Im Rahmen einer Gemeinschaftsabrechnung zahlen alle Mieter anteilig für die anfallende Müllentsorgung des Gebäudes – unabhängig davon, wer wie viel Müll produziert hat. Eine individuelle Müllmengenmessung gibt es im Mietrecht nicht. Einzige Ausnahme: Einige Kommunen führen Systeme mit individuellen Müllmarken oder Chips an Behältern ein, die eine verbrauchsabhängige Abrechnung ermöglichen.
Ja. Vergleichen Sie die abgerechneten Kosten mit den öffentlichen Gebührentarifen Ihrer Gemeinde (oft online abrufbar). Übersteigen die abgerechneten Kosten den kommunalen Tarif deutlich, könnten versteckte Mehrkosten (z. B. private Entsorgungsdienste zusätzlich zur kommunalen Abfuhr) enthalten sein. Fordern Sie Belegeinsicht und prüfen Sie, ob alle abgerechneten Behältergrößen und -leerungen plausibel sind.
Müllentsorgungskosten sind nach § 2 Nr. 8 BetrKV als Betriebskosten umlagefähig. Sie umfassen Kosten für die Entleerung der Müllbehälter sowie Gebühren des kommunalen Entsorgungsbetriebs. Die Umlage auf die Mieter erfolgt nach dem vereinbarten Verteilerschlüssel (meist Wohnfläche oder Personenzahl). Werden zu viele oder zu große Container aufgestellt, kann das die Kosten künstlich erhöhen.
Die Müllgebühren werden von den kommunalen Entsorgungsbetrieben festgelegt und variieren je nach lokaler Entsorgungsinfrastruktur, Bevölkerungsdichte, Deponiekosten und dem Anteil von Recyclingleistungen. Städte mit eigenen modernen Müllverbrennungsanlagen oder günstigen Kompostieranlagen können deutlich niedrigere Gebühren erheben als Städte, die auf teure externe Dienstleister angewiesen sind.
In Bochum kostet die Abfallentsorgung bundesweit am meisten. Das ist das Ergebnis unserer neuesten Untersuchung. Dafür haben wir die Gebühren für Restmüll in den 20 größten deutschen Städten verglichen. Dabei fallen eklatante Unterschiede auf. Die Differenzen betragen teilweise mehrere tausend Euro.

Die Umweltservice Bochum GmbH (USB) ist der teuerste Entsorgungsdienst in Deutschland. Die Preise für Müllcontainer in den Standardgrößen liegen um ein Vielfaches höher als in anderen Städten. Für die wöchentliche Abholung der weitverbreiteten 1.100-Liter-Behälter werden insgesamt 6.111,00 € jährlich fällig. Bei den ebenfalls häufig genutzten 240-Liter-Tonnen belaufen sich die Kosten auf 1.333,20 €. In beiden Kategorien landen die Bochumer somit auf dem ersten Rang. Mülltonnen dieser Größenordnungen werden unter anderem häufig bei Mietshäusern mit mehreren Parteien eingesetzt.
Auf Anfrage, wieso die Kosten so hoch seien, verwies der USB an die Zuständigkeit der Stadtverwaltung. Eine Antwort lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.
Allgemein fallen die Entsorgungskosten in Nordrhein-Westfalen am höchsten aus. Unter den Top Ten der teuersten Städte für die wöchentliche Leerung von 1.100-Liter-Behältern finden sich neun Vertreter des Bundeslandes. Lediglich der neunte Platz geht mit 3.076,32 € an die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover. Bei Mülltonnen mit einem Volumen von 240 Litern belegen Städte aus NRW die ersten sieben Plätze.
In Köln etwa kostet die Leerung einer 240-Liter-Tonne 1.006,44 € pro Jahr. Dies bedeutet den zweiten Rang in diesem Ranking. Die Entsorger in Münster liegen in dieser Kategorie mit 1.000,80 € knapp darunter – obwohl hier, im Gegensatz zur Stadt Köln, sogar eine Grundgebühr fällig wird.
Mit steigendem Volumen ziehen die Preise in Münster allerdings an. Für die wöchentliche Leerung eines Behälters mit 1.100 Litern werden 4.622,88 € pro Jahr verlangt. Das bedeutet die zweithöchsten Kosten in diesem Segment. Auf Platz drei folgt Düsseldorf mit 4.225,20 €. Die Stadt Köln scheint hingegen einen gewissen Mengenrabatt zu gewähren. Mit Kosten in Höhe von 3.212,49 € landet man hier lediglich auf Platz neun.
Sieht man sich die Tabelle von der anderen Seite an, werden eklatante Unterschiede deutlich. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) verlangt für exakt dieselben Parameter lediglich 1.292,72 € (1.100 Liter). Im Vergleich zum Spitzenreiter Bochum spart man in der Hauptstadt über 4.800 € pro Jahr. Die Berliner sind die günstigsten Anbieter in dieser Hinsicht. Nur wenig teurer wird es mit 1.568,64 € in Hamburg, gefolgt von Leipzig mit 1.799,72 €.
Ähnlich sieht es bei den 240-Liter-Tonnen aus. Allerdings tauschen Hamburg und Berlin hier die Plätze. In der Hansestadt betragen die Kosten 335,88 €, in der Hauptstadt 410,96 €. Leipzig landet mit 440,44 € ebenfalls knapp dahinter. Auch hier bestehen erhebliche Differenzen im Vergleich.
Hier seht ihr die Werte für 240-Liter-Tonnen übersichtlich als Statistik zusammengefasst: