Mann unterzeichnet Vertrag

Nebenkosten bei der Anmietung zu niedrig angesetzt

Wenn Mieter und Vermieter bei der Anmietung einer Wohnung einen Mietvertrag abschließen, wird in diesem neben der Kaltmiete meist auch ein monatlicher Betrag für die Vorauszahlungen auf die Nebenkosten festgelegt. Dieser Betrag ist vom Vermieter frei bestimmbar und kann falls die Vorauszahlungen nicht ausreichen durch Nachzahlungen und eine Anpassung des Abschlags aufgestockt werden.

Neben diesen gängigen Mietverträgen gibt es jedoch auch Mietverträge, in denen eine Inklusivmiete oder eine Nebenkostenpauschale bestimmt wird. Hier ist eine nachträgliche Anpassung nicht möglich.

Keine Pflichtverletzung des Vermieters

Setzt der Vermieter die Vorauszahlungen bei der Anmietung zu niedrig an, um Mieter durch eine niedrige Warmmiete von einer Anmietung zu überzeugen handelt er nicht pflichtwidrig. Es steht ihm frei in welcher Höhe er die Vorauszahlungen festsetzt. Reichen die Vorauszahlungen der Mieter  bei der Abrechnung der Nebenkosten nicht zur Deckung aller entstandenen Kosten aus, kann er sie zu Nachzahlungen auffordern. Darüber hinaus kann er die Vorauszahlungen dann nachträglich anpassen.

Gerade in ländlicheren Regionen, in denen genug Wohnraum existiert, setzten Vermieter niedrige Nebenkosten unter Umständen als Lockmittel ein. Kommt es dann nach der ersten Nebenkostenabrechnung zu Nachzahlungsforderungen an die Mieter haben sich jene meist schon eingelebt und akzeptieren die Nachzahlungen und die Anpassung ihrer Vorauszahlungen.

Mieter sollte sich vor Anmietung informieren

Für Mieter ist es daher ratsam sich schon vor der Anmietung über die anfallenden Nebenkosten zu informieren. Eine wertvolle Informationsquelle ist dabei der Energieausweis, welchen Vermieter seit dem 1.5.2014 einem Mietinteressenten bei einer Besichtigung vorlegen müssen. Anhand dieses Energieausweises können potenzielle Mieter schnell feststellen ob es sich bei dem Haus, in welches sie einziehen wollen, um einen Energiefresser oder einen Energiesparer handelt. Ferner kann man vom Vermieter Einsicht in eine alte Nebenkostenabrechnungen der Wohnung erbitten, jener ist jedoch nicht dazu verpflichtet ihm Einsicht zu gewähren. Alternativ kann eine Nachfrage bei den Nachbaren oft ein einfaches und zugleich sehr ergiebiges Informationsmittel sein.

Außerdem kann eine Nachfrage beim Vermieter hinsichtlich der für das Haus getroffenen Vereinbarungen hilfreich sein. Interessante Fragen können dabei zum Beispiel sein: Gibt es einen Hausmeister? Wie oft kommt dieser pro Woche? Wie oft wird der Hausflur gereinigt? Mit welcher Heizungsart wird das Haus beheizt? Vermieter sind grundsätzlich immer dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit unterworfen, jedoch ist dieser im Bezug auf viele Posten Auslegungssache.

Sichert der Vermieter einem Mieter bei Vertragsschluss die Angemessenheit der Nebenkosten ausdrücklich zu, ist eine nachträgliche deutliche Erhöhung der Vorauszahlungen als Betrugsversuch zu werten. Dagegen könnte ein Mieter gerichtlich vorgehen, jedoch steht er dabei in der Beweispflicht. Das heißt er bräuchte einen Zeugen der bei der Zusicherung zu gegen ist oder ein formloses Schreiben des Vermieters, in welchem er die Angemessenheit der Nebenkosten bestätigt.