Mitpreisbremse und Bestellerprinzip kommen 2015

Mietpreisbremse und Bestellerprinzip – neue Wege zum Mieter-Glück

Paul ist 27 Jahre alt und hat in Wismar gerade sein Studium beendet. Nun möchte der frisch gebackene Bachelor Paul zurück nach Berlin und schaut sich bereits fleißig auf dem Wohnungsmarkt um. Das letzte Mal, dass er die gängigen Anbieterseiten durchforstete war vor fünf Jahren. Als er nun aber seinen Blick über die Inserate schweifen lässt, trifft ihn ein kleiner Schock.

Wie können sich die Mietpreise so drastisch verändert haben?

Bisher waren die Worte Mietpreisbremse und Bestellerprinzip im Mietrecht nicht existent und es galt als gängig bei der Neuvermietung einer Wohnung, einen ordentlichen Prozentsatz auf den ursprünglichen Mietpreis draufzuschlagen, nicht zu vergessen die meist saftige Maklerprovision. So war es nicht verwunderlich, dass in vielen Fällen die Wohnungsmiete in wenigen Jahren um 30 % oder 40 % gestiegen ist.

Paul plante, etwas zentraler zu wohnen, musste sich jedoch zähneknirschend eingestehen, dass er mit seinem Einstiegsgehalt wohl seine Wohnungswünsche der unschönen Preisrealität anpassen sollte. Ähnlich geht es vielen Deutschen, speziell in Ballungsräumen sind manche Gegenden für den Normalbürger nicht mehr erschwinglich.

2015 kommen Bestellerprinzip für Maklerkosten und die Mietpreisbremse

Die Mietpreisbremse – der Tropfen auf den heißen Stein?

Nun aber soll dem Einhalt geboten werden, mit einem länderübergreifenden Gesetz. Die Bundesregierung hat am Mittwoch auf die Entwicklung in beliebten Wohngegenden reagiert und die Mietpreisbremse beschlossen.

Bisher waren dem Vermieter quasi keine Grenzen in der Erhöhung der Miete nach Mieterwechsel gesetzt. Nun darf dieser bei einer Neuvermietung maximal um 10 % im Vergleich zur ortsüblichen Miete an der Preisschraube drehen. Eine signifikante Verdrängung von Bevölkerungsschichten in Randgebiete soll damit vermieden werden, so der Tonus der Regierung.

Gewisse Einschränkungen soll es aber weiterhin geben. So soll die Mietpreisbremse vorerst nur in angespannten Märkten zur Anwendung kommen. Welche Bezirke und Gegenden konkret unter den Beschluss der großen Koalition fallen, ist aber den Bundesländern überlassen.

Abzusehen ist, dass Ballungsräume und beliebte Bezirke wie zum Beispiel in München, Berlin und Hamburg, die besonders stark von den Preissprüngen gezeichnet sind, unter die Mietpreisbremse fallen. Ausgeschlossen hingegen soll die Sanktion bei Neubauten und umfangreich modernisierten Wohnungen sein.

Ist die Preisbremse erst der Anfang?

Die Umsetzung des neuen Gesetzes ist im Jahr 2015 anvisiert und würde wohl vier der 21 Millionen Mietwohnungen in Deutschland umfassen. Gänzlich aufatmen kann die Immobilienbranche jedoch noch nicht. Die Mietpreisbremse und die Verordnungen der Länder zu angespannten Gegenden ist bis 2020 terminiert.

Spätestens 2025, nach Ende der fünfjährigen Verordnungsbefristung, wird der gesetzliche Fuß wieder vom Bremspedal gehen. Welche Regelungen dann den brodelnden Immobilienmarkt abkühlen sollen, bleibt abzuwarten.

Ein Makler-Albtraum – das Bestellerprinzip

Der Mieter hat aber schon heute einen weiteren Grund zur Freude, denn eine weitere Neuerung in der Mietwohnungsbeschaffung betrifft den Geldbeutel des Mieters: Das Bestellerprinzip schützt den Mieter nun vor den hohen, meist ungewollten Maklerprovisionen.

Das Gesetz regelt die Vergütung des Maklers auf eine klare und eindeutige Art und Weise. Wer den Wohnungsvermittler beauftragt, der muss auch für ihn zahlen. Sämtliche Vereinbarungen diesbezüglich zu Ungunsten des Mieters sind zudem rechtsunwirksam respektive sollen unwirksam werden.

Wer bestellt muss auch zahlen, so die einfache Devise.

Des einen Freud ist des anderen Leid und so weicht den Maklern bei dieser Neuerung die Farbe aus dem Gesicht. In Zahlen werden die Mieter durch das Bestellerprinzip und die Mietpreisbremse sage und schreibe insgesamt über 800 Millionen Euro jährlich einsparen.

Selbst Hand anlegen – Ersparnis auch bei Nebenkosten

Vermieterbedingte Preissprünge sind auch in den Nebenkosten nicht ungewöhnlich. Nebenkosten und Nettokaltmietensteigerungen liegen vielerorts höher als die jährliche Inflationsrate.

Zudem sind viele Posten in der Nebenkostenabrechnung für den Mieter nicht zu deuten und die Fülle an Verordnungen für eine korrekte Abrechnung überfordert den Normalbürger.

Viele Mieter wissen de facto nicht, was der Vermieter an Betriebskosten auf sie umlegen darf und nach welchen Prinzipien diese Umlage zu erfolgen hat. Dass man eine Nebenkostenabrechnung einfach und schnell prüfen lassen kann, ist für die meisten ebenfalls neu.

Unserer Erfahrung nach ist der Großteil der Nebenkostenabrechnungen fehlerhaft. Falsche Verteilerschlüssel, formale Fehler und Posten, die nicht umgelegt werden dürfen, sind nur einige Kriterien, bei denen die viele Abrechnungen durchfallen.

Eine Prüfung kann hier Licht ins Dunkel bringen und eine weitere Ersparnis zur Folge haben.

So liegt eine Besserung ihrer Miet- und Nebenkostenausgaben nicht nur in der Hand der Regierung wie durch obige Gesetze, sondern man selbst kann ungerechtfertigten Nachzahlungen Einhalt gebieten.