Mietminderung

Als Mieter hat man Anspruch auf die Schadensfreiheit seiner Wohnung. Kommt es jedoch während der Wohndauer zu unverschuldeten Mängeln an der Wohnung, ist der Vermieter in der Pflicht die Mängel umgehend zu beseitigen.

Seitens des Mieters müssen Mängel inklusive Fristsetzung zur Behebung des Mangels unverzüglich und schriftlich dem Vermieter mitgeteilt werden, hierbei sollte man zwecks der rechtlichen Sicherheit das Dokument immer als Einschreiben zustellen lassen.

Die Mietminderung wird meist als prozentualer Abzug des Mietzinses und der Nebenkosten festgelegt.

Häufige Mietminderungsgründe

Gründe zur Mietminderung gibt es derlei viele, zur groben Orientierung werden hier die häufigsten Urteile bzw. Fälle in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um fixe Beträge einer möglichen Mietminderung, sondern individuelle Fallentscheidungen von einzelnen Richtern, die vom Mieterbund zusammengetragen wurden.

Abwasser – 20% waren in einem Fall möglich, in dem das Abwasser einer Nachbarwohnung in die Toilette floss

Abwasserstau – bei Austritt von Abwasser aus der Toilette oder der Badewanne wurden 36% Kürzung zugesprochen

Asbest – 50% Mietminderung durch gesundheitsgefährdende Asbestverwendung in Elektro-Nachtspeicheröfen

Badewanne – 24% bei starker Nutzungseinschränkung der Badewanne durch die Hausordnung (wenige Stunden in der Woche)

Bade-/Duschmöglichkeit – funktionierte die Dusche bzw. Bademöglichkeit nicht, waren 33% Mietminderung möglich

Badewannenabfluss – 3% Mietminderung bei defektem Badewannenabfluss

Balkon – 3% wegen einer Reparatur am Balkon
15%, als die Benutzung des Balkons nicht möglich war, da sich dort durch andere Nachbarn durch Fütterung angelockte streunende Katzen aufhielten

Bauarbeiten – 22% gab es bei sechsmonatigen erheblichen Bauarbeiten
60% bei der Durchführung von umfassenden Ausbauarbeiten im Haus (hier Dachgeschoss)

Baulärm – für Baulärm, der durch den Bau einer ICE-Trasse verursacht wurde, gab es 10 bis 20% Mietminderung

Bordell – für ein Bordell im Haus wurde eine Mietminderung von 30% angesetzt

Briefkästen – 1% Mietminderung für einen defekten Briefkasten und dadurch bedingtes Nasswerden der eingeworfenen Post

Einrüstung – 5% bei Beeinträchtigung der Luft und Lichtzufuhr durch ein Fassaden-Gerüst und 15% bei starker Beeinträchtigung der Luft und Lichtzufuhr durch ein Fassaden-Gerüst und Plastikfolien

Fenster – für luftdurchlässige und schlecht schließbare Fenster wurden 5% Mietminderung im Sommer und 10% im Winter angesetzt

Fernsehempfang – 10% für die erhebliche Störung des Fernsehempfangs

Feuchtigkeit – 10% bei einem feuchten Keller und 60% bei erheblichem Schaden durch vom Boden eindringende Feuchtigkeit in eine Erdgeschosswohnung

Geruchsbelästigungen – 10% Mietminderung, stinkt es aus der Nachbarwohnung wegen nicht artgerechter Tierhaltung

Hausbeleuchtung – 1% für nicht funktionierende Hausbeleuchtung

Heizungsausfall – 50% bei Ausfall der gesamten Heizung außerhalb der Wintermonate und 100%, wenn es während der Wintermonate einen Gesamtausfall der Heizung gibt

Heizungsrauschen – 10% bei rauschender oder knackender Heizung

Lärmbelästigung – 20% bei durch Nachbarn verursachte erhebliche Lärmstörung, 30% bei typischem Lärm von Diskotheken in der Nachbarschaft und 50% bei durch Nachbarn verursachte erhebliche Lärmstörung in der Nacht

Leitungswasser – 10% Mietminderung bei rostigem Leitungswasser bzw. 15%, wenn ein erhöhter Mangan- oder Eisengehalt das als Trinkwasser genutzte Leitungswasser braun verfärbt

Schimmel – 10%, wenn ein muffiger Geruch in Bad, Küche oder Wohn- bzw. Schlafzimmer entsteht (auch bei Eigenverschulden des Mieters) und 100% Mietminderung bei der Unmöglichkeit des Aufenthalts in Küche, Wohn- und Schlafzimmer aufgrund von Schimmelbefall

Warmwasserversorgung – eine fehlende Wasserversorgung ermöglichte eine 10%tige Mietminderung

Die Grundvoraussetzungen für jeden Einzelfall können sich dabei unterscheiden, so ist es ratsam im Zweifelsfall bei Streitfällen immer die individuelle richterliche Entscheidung für eine tatsächliche Mietminderung abzuwarten, denn die Entscheidung des zuständigen Richters kann, je nach Sachlage, anders ausfallen.

Angemessenheit der Mietminderung

Möchte man eine Mietminderung geltend machen, ist es notwendig die Angemessenheit der Umstände zu beachten, eine defekte Glühbirne im Flur z.B. erlaubt noch keine Mietminderung. Hier ist ein sinnvoller Ansatz zu prüfen, ob bzw. inwieweit die Gebrauchsmöglichkeit der Mietsache eingeschränkt wird und danach zu entscheiden, wie hoch die Mietminderung angesetzt werden sollte. Um eine unangemessene Mietminderung zu vermeiden, kann man die Miete unter Vorbehalt in voller Höhe leisten und dem Vermieter eventuelle Rückforderungen nach einem gerichtlichen Urteil über die tatsächliche Höhe der Mietminderung ankündigen.

Reagiert der Vermieter nicht auf die Meldung des Mangels, kann man zusätzlich vom Recht auf Zurückbehaltung Gebrauch machen, um den Vermieter zum Handeln zu bewegen.