Balkon mit Blumen

Balkonnutzung – Was ist erlaubt?

Jetzt im Sommer verbringt man seine Zeit wieder gern im Freien. Wer als Mieter einen Balkon hat, kann diesen mit Möbeln und Pflanzen dekorieren, dort sonnenbaden, Freunde zum Grillen einladen und so bei schönem Wetter entspannen. Aber wie weit darf man sich entfalten? Gibt es Einschränkungen in der Balkonnutzung? Wir zeigen, was erlaubt ist und bei welchen Themen der Vermieter ein Mitspracherecht hat.

Wie darf ich meinem Balkon nutzen?

Grundsätzlich darf man seinen Balkon genauso nutzen wie die restliche Mietwohnung und sich frei entfalten. Das heißt, man kann Möbel aufstellen, Blumen anbringen, seine Wäsche trocknen und alles nach den eigenen Vorstellungen gestalten. Einschränkungen treten dann auf, wenn sich die Nachbarn durch das Verhalten des Mieters gestört fühlen oder in irgendeiner Weise beeinträchtigt werden. Ebenso kann der Vermieter eingreifen, wenn Veränderungen am Balkon vorgenommen werden, welche die Bausubstanz betreffen.

Grillen, Bepflanzungen, Sichtschutz – was Mieter beachten müssen

Der häufigste Streitpunkt in Bezug auf die Nutzung von Balkonen betrifft eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen im Sommer: das Grillen. Die Rauchentwicklung und der Lärm sind oft Anlass für Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Aus Rücksicht sollte man daher lieber einen Elektrogrill verwenden. Der Vermieter darf zudem das Grillen auf dem Balkon gänzlich verbieten. Auch in der Hausordnung kann eine solche Regelung festgehalten sein, welche dann für jeden Mieter bindend ist. Verstößt man wiederholt gegen ein Grillverbot, kann man sogar eine fristlose Kündigung riskieren. Allerdings darf der Vermieter eine derartige Vorschrift nicht nachträglich in den Mietvertrag aufnehmen.

Das Anbringen von Pflanzen und Blumenkübeln am Balkon ist prinzipiell möglich, auch auf der Außenseite, was nicht durch ein Verbot im Mietvertrag untersagt werden kann. Wichtig ist jedoch, dass die Bepflanzungen gut befestigt sind und nicht beim nächsten Sturm eine Gefahr darstellen. Zudem dürfen die Nachbarn nicht durch heruntertropfendes Wasser vom Gießen oder herunterfallende Blätter und Blüten belästigt werden. Auch Ranken und Kletterpflanzen sind erlaubt, solange sie nicht auf den nächstgelegenen Balkon ragen und die Außenfassade davon unberührt bleibt.

Wer einen Sichtschutz wie zum Beispiel einen Sonnenschirm am Balkon aufstellen möchte, kann dies tun. Jedoch muss dieser unauffällig sein und darf keinen Einfluss auf die Optik der Hausfassade einnehmen. Will man eine Markise anbringen, so bedeutet das einen Eingriff in die Bausubstanz, daher muss man hierfür die Erlaubnis des Vermieters einholen. Das ist ebenso notwendig bei einer Verglasung, wenn aus dem Balkon ein Wintergarten werden soll.

Mehrparteienhaus

Balkone und Terrassen in der Nebenkostenabrechnung

Hat man das Glück einen gut gelegenen Balkon oder eine Terrasse zu haben, kann man sich von der eigenen Wohnung aus einen Mini-Urlaub nehmen oder gemütlich den Tag beim Sonnenuntergang ausklingen lassen. Jedoch ist diese Möglichkeit im Winter meist sehr eingeschränkt nutzbar oder fällt gar komplett weg. So kommt für den Mieter durchaus die Frage auf, ob Balkone und Terrassen denn ebenso, wie der Rest des Wohnbereichs, für die Nebenkostenabrechnung herangezogen werden.

Generell kann man dies mit einem Ja beantworten, auch diese Art von Anbauten werden zum Wohnbereich hinzugezählt und bei der Nebenkostenabrechnung angerechnet, da der Vermieter sich auch im Winter um die Instandhaltung dieser Anlagen kümmern muss und regelmäßig verbrauchsunabhängige Kosten entstehen.
Die Anrechnung von Balkonen und Terrassen auf die Betriebskosten gestaltet sich allerdings etwas anders als bei dem Rest der Wohnfläche.
Was es zu beachten gibt und welche Sonderfälle auftreten können, möchten wir Ihnen in diesem Artikel erläutern.

Unterschiediche Regelungen zur Anrechnung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Wohnfläche und somit auch die anfallenden Betriebs- bzw. Nebenkosten anzurechnen.

Die gängigste Regelung zur Berechnung der Wohnfläche ist die Wohnflächenverordnung, kurz WoFlV, welche Ende 2003 die II. Berechnungsverordnung abgelöst hat.
In der WoFlV ist die Anrechnung von Balkonen i. d. R. mit einem Viertel der tatsächlichen Fläche festgelegt, kann aber je nach Lage oder Nutzbarkeit bis zur Hälfte in die Betriebskosten mit aufgenommen werden.
Mietverträge, die vor Ende 2003 abgeschlossen wurden richten sich nach der alten Berechnungsverordnung, hier ist eine Anrechnung bis zur Hälfte der Wohnfläche möglich, ohne das die Lage oder Nutzbarkeit zu beachten ist.

Wurde im Mietvertrag die Balkon- oder Terrassenfläche mit der tatsächlichen Grundfläche festgelegt, so kann man sich nachträglich nicht auf die in der WoFlV viertelteilige Anrechnung berufen.

Alternativ kann auch die Anrechnung der Balkonfläche nach DIN-Norm 277 durchgeführt werden, wenn dies vertraglich vereinbart wurde. Dies ist für den Mieter allerdings ein Nachteil, denn hier darf die gesamte Fläche für die Betriebskosten und auch für Heiz- und Warmwasserkosten berechnet werden.

Balkone und Terrassen fallen bei den Heiz- und Warmwasserkosten aber nicht so stark ins Gewicht, da mindestens 50% dieser Kosten über den Verbrauch kalkuliert werden müssen.

Bei preisgebundenem Wohnraum greift maßgeblich die WoFlV oder DIN-Norm 277, vertragliche Abweichungen, wie bei preisungebundenem Raum, sind dort nicht möglich.

Nutzbarkeit und Lage

Die anteilige Anrechnung eines Balkons oder einer Terrasse ist nach der WoFlV meist eine Einzelfallentscheidung. Folgende Faktoren spielen in diese Entscheidung mit hinein:

  • Die Himmelsrichtung bzw. Ausrichtung
  • Die Lage
  • Der Wohn- oder Gebrauchswert

So kann eine aufwendig gestaltete Dachterrasse mit Überdachung inklusive Blick auf eine Grünfläche den Wohnwert stark steigern und eine Anrechnung zur Hälfte der Fläche leicht argumentiert werden. Während ein Balkon mit Nordlage im Erdgeschoss und Einsicht, sowie der Ausrichtung zu einer stark befahrenen Verkehrsstraße, sogar ganz aus der Abrechnung entfallen kann.

Hat man einen verglasten Balkon bzw. Wintergarten, ergibt sich eine etwas andere Wohnflächenanrechnung. Hierbei ist zu unterscheiden, ob es sich um einen beheizbaren oder nicht beheizbaren Wintergarten handelt.

Die Anrechnung bei Wohnungen mit Preisbindung ergibt sich wie gehabt über die WoFlV:

  • Ist der Wintergarten nicht beheizbar so wird die Hälfte der Wohnfläche angerechnet,
  • bei voller Beheizbarkeit setzt man die gesamte Fläche als Bemessungsgrundlage an.